Ustino und das Monster mit den langen Ohren

Ustino und das Monster mit den langen Ohren

Ich gehe ja mit meinen Pferden ziemlich oft ausreiten. Gibt nichts was ich entspannender finde, als einen schönen Ausritt bei gutem Wetter. Naja, meistens jedenfalls. Früher ging das noch locker-flockig, auf dem dicken Pony mit Papa nebendran, der fleissig mitrennt. Oder mit Ronja, wo man auch rückwärts draufsitzen könnte. Mit verbundenen Augen. Aber jetzt, mit meinen zwei Sportlern und gerade mit Ustino, der mit seinen zarten fünf Jahren gerne mal auf lustige Ideen kommt, ist es nicht mehr ganz so entspannend. Meistens jedenfalls.

Hinzu kommt noch, dass in unserem Ausreitgebiet manchmal ganz schön was los ist. Da wird einem nicht langweilig. Ganz bestimmt nicht.

 

So bin ich letzten Freitag nach längere Zeit mal wieder alleine mit Ustino ins Gelände. Das Wetter war gut, der Junge in den vergangenen Tagen ordentlich ausgepowert worden, also alles paletti und ich habe einen schönen, ruhigen Ausritt erwartet. Denkste.

Zuerst ging alles gut. Ein Kinderwagen war kein Problem, vorbeifahrende Autos waren kein Problem. Nichtsahnend biege ich also auf eine unserer Galoppstrecken ab. Erst will der Kleine sofort losrennen, lässt sich dann aber gut zurückhalten und lässt sogar die sonst für ihn üblichen Bocksprünge sein. So weit so gut. Dann entdeckt er die Schafe, die neuerdings auf einer kleinen Weide am Weg stehen. Natürlich liegen sie alle direkt am Weg, da wo wir vorbei müssen. Da hat Ustino aber grosse Augen gemacht. Die Schafe sind natürlich auch alle aufgesprungen, als wir direkt neben ihnen waren, und ihre Glocken haben geläutet, das muss man bis zurück zum Stall gehört haben. Glücklicherweise entschied sich Ustino für den Weg nach vorne und so sind wir zwar etwas flott, aber ohne grössere Probleme an den Ungeheuern vorbeigekommen.

Der weitere Ausritt verlief sehr ruhig, Ustino war brav und hat weder gebockt noch gescheut.

 

Wir begeben uns also auf den Heimweg und ich lasse ihm die Zügel lang. Ich reite an einem kleinen See im Wald vorbei und biege dann auf einen Waldweg ab, der an den Waldrand führt. Dort liegen zwischen zwei Wäldern grosse Felder. Wir reiten mir-nichts-dir-nichts um die Kurve, keine bösen Gedanken, rundherum alles ruhig. Es sind noch wenige Meter bis zum Waldrand. Da sehe ich es. Und dann sieht Ustino es.

Das ganze Feld direkt am Ende des Wegs ist voll mit Schafen. Einen Zaun gibt es nicht, sie gehören wohl zu einem Hirten. Der ist natürlich weit und breit nirgends zu sehen. Es müssen über 100 gewesen sein, vielleicht sogar das Doppelte, ich bin unglaublich schlecht im Schätzen. Auf jeden Fall entscheidet sich Ustino erstmal für eine Vollbremsung. Da stehen wir nun und während mein Pferd sich überlegt, in welche Richtung es flüchten soll, überlege ich mir, wie in aller Welt wir an diesen Schafen vorbeikommen sollen.

Weil Schafe allein ja noch nicht genug sind und das Schicksal gerne mal noch einen draufsetzt, kommt plötzlich von links am Waldrand entlang ein Esel gelaufen. Ja. Ein Esel. Ich vermute jeder Reiter weiss, wie Pferde auf Esel reagieren. Für die, die es nicht wissen: Nein, Pferde verstehen nicht, dass Esel mit ihnen verwandt sind. Die langen Ohren und das zottelige Fell ändern alles.

 

So stehen wir da also und müssen etwa den gleichen Gesichtsausdruck gehabt haben. Der Esel hatte übrigens links und rechts Taschen und einen Eimer auf dem Rücken. Das hat ihn natürlich NOCH gruseliger gemacht, als er ohnehin schon war. Als er dann auch noch auf unseren Weg abbiegt und direkt auf uns zukommt, verabschiedet sich Ustino erstmal. Linksumkehrt und in vollen Karacho um die Kurve, zurück in Richtung See. Der Esel bleibt freundlicherweise hinter der Kurve stehen, so kann ich Ustino nach ein paar Galoppsprüngen wieder bremsen. Aber dumm ist Ustino ja nicht und versteht sofort, dass hinter der Kurve jetzt das Monster lauert. So habe ich erstmal fünf Minuten mit Steigen und Bocken zu kämpfen, bis ich mein Pferd schon nur in Richtung der Kurve umdrehen kann. Schritt für Schritt überzeuge ich es dann, doch bitte wieder nach vorne zu gehen. Nach weiteren fünf Minuten sind dann die zehn Meter bis zur Kurve geschafft. Phuu. Aber wir beide wissen, was da hinter der Ecke lauert. Und kaum erblickt Ustino die langen Ohren erneut, versucht er wieder kehrt zu machen. Ha! Diesmal war ich vorbereitet. So lasse ich ihn erstmal in der Kurve stehen, während der Esel auf der anderen Seite geparkt hat und uns genauso ungläublig anglotzt, wie wir ihn.

Natürlich ist es ein neugieriger und freundlicher Esel, der Ustino erstmal beschnuppern möchte. Das findet Ustino wiederum natürlich gar nicht toll und versucht erneut zu fliehen. Irgendwie schaffe ich es, ihn davon zu überzeugen, dass wir an dem Esel vorbei müssen. Müssen wir eigentlich nicht, es gäbe auch einen anderen Weg, aber jetzt hat mich der Ehrgeiz gepackt. Lebensschulung für Ustino. Was, wenn mal ein Esel auf dem Turnierplatz ist? Man muss schliesslich auf alles vorbereitet sein.

 

So schaffe ich es tatsächlich mein Pferd davon zu überzeugen, todesmutig einen Schritt nach dem anderen auf das Monster zuzumachen. Es ist kein einfaches Unterfangen, denn so schnell gibt der Esel nicht auf. Irgendwann verliert er dann doch das Interesse an uns und Ustino beruhigt sich langsam. Nach minutenlanger Überzeugungsarbeit schaffe ich es dann, mich mit meinem zutiefst geschockten Pferd an dem vermeintlichen Monster vorbei zu schleichen. Geschafft, das nennt man Lebensschulung. Oder so.

 

Hattet ihr auch schon solche Begegnungen mit euren Pferden? Wie ist es ausgegangen? Seid ihr da so wie ich und wollt unbedingt vorbei oder geht ihr lieber auf Nummer sicher und sucht einen anderen Weg? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

2 thoughts on “Ustino und das Monster mit den langen Ohren

  1. Respekt an dich dass du dich teaust alleine mit ihm auszureiten ! Hab auch 2 junge geländeunerfahrene pferde .. bin bei weitem nicht so mutig ..

    1. Ich fühle mich eigentlich im Gelände immer ziemlich sicher, das kann daran liegen, dass ich früher nichts anderes als Ausreiten gekannt habe. Streckenweise macht mir Ustino manchmal auch etwas Angst, wenn er mal wirklich austickt, das kommt aber glücklicherweise eher selten vor. 🙂 Einfach immer dranbleiben, sie lernen es ja nur, wenn sie regelmässig rauskommen. 🙂

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