Turniersystem Schweiz (Springreiten)

Turniersystem Schweiz (Springreiten)

Bald beginnt für mich die Turniersaison. Da ich, wie ihr wohl wisst, aus der Schweiz bin, viele meiner Leser aber aus Deutschland kommen, dachte ich, es könnte ganz praktisch sein, wenn ich euch mal das Turniersystem der Schweiz erkläre!

 

Voraussetzungen für einen Turnierstart

Pferd: Jedes Pferd, welches auf Turnier vorgestellt wird, muss im Pferdesportregister eingetragen sein.

Reiter: Um auf Turnier fahren zu können, muss man das Reitbrevet absolviert haben. Damit kann man allerdings nur bis zur Höhe von 105cm starten. Für alle höheren Prüfungen braucht man die Springlizenz.

 

Reitbrevet und Springlizenz

Reitbrevet: Beim Reitbrevet handelt es sich um eine Grundausbildung. Es gibt einen praktischen sowie einen Theorieteil, auf die man in einigen Trainings- und Theoriestunden vorbereitet wird. An der Prüfung reitet man in einer Gruppe zwei Richtern einfache Dressuraufgaben vor und springt über zwei Sprünge. Es geht vor allem um Kontrolle und Sicherheit, alles andere ist nicht sonderlich wichtig. Der theoretische Teil umfasst alle grundlegenden Dinge, über die man im Umgang mit Pferden Bescheid wissen sollte, beispielsweise Fütterung, Haltung, das Pferd korrekt führen, es für das Reiten fertigmachen, die wichtigsten Krankheiten und grob die Anatomie.

 

Springlizenz: Die R-Lizenz muss jeder absolvieren, der höher als 105cm springen will. Dabei gibt es zwei Wege, wie man sie erlangen kann. Der eine Weg führt über Stilprüfungen (mehr dazu weiter unten), der zweite Weg führt über eine eintägige Prüfung. Bei dieser Prüfung reitet man ein Dressurprogramm und springt einen Parcours, ausserdem gibt es wie beim Brevet einen Theorieteil. Die Springlizenz ist um einiges anspruchsvoller als das Reitbrevet, hier ist die korrekte Ausführung der Lektionen und ein schöner, harmonischer Parcours das A und O. Mit der R-Lizenz kann man von 100cm bis 1350cm starten. Die Steigerung der R-Lizenz ist die N-Lizenz, mit der man bis zur Höhe 155 starten kann. Ausserdem ist es einem mit der N-Lizenz auch möglich, im Ausland Turniere zu reiten.

 

Die häufigsten Prüfungsarten

Wertung A

Hier werden alle Fehler (Stangenfehler, Verweigerung, Zeitüberschreitung) mit einer gewissen Anzahl Punkten bestraft, also ganz normal. Es gibt aber verschiedene Formen.

 

Wertung A mit Zeitmessung: Es gewinnt, wer mit den wenigsten Fehlerpunkten und der schnellsten Zeit ins Ziel kommt. Diese Prüfung ist wirklich am häufigsten.

Wertung A ohne Zeitmessung: Es gewinnt, wer mit den wenigsten Fehlerpunkten ins Ziel kommt, die Zeit ist nicht massgebend. Wenn mehrere Konkurrenten gleich wenig (normalerweise natürlich null Fehler) haben, sind sie alle auf dem ersten Platz.

Wertung A mit Stechen: Alle Konkurrenten, die einen fehlerfreien Ritt hingelegt haben, treten in einem Stechen noch einmal gegeneinander an. Ein Stechen ist ein verkürzter Parcours der meistens möglichst fehlerfrei und schnell geritten werden muss.

Wertung A mit Siegerrunde: Die Siegerrunde ist grundsätzlich gleich wie ein Stechen, nur werden die Punkte aus dem Normalparcours mitgenommen. Ausserdem sind max. 30% aller Gestarteten zu der Siegerrunde zugelassen.

 

Wertung C

Bei Wertung C werden die Fehlerpunkte in Sekunden umgewandelt. Es gewinnt also wer die schnellste Zeit hat.

 

Zweiphasenspringen

Es gibt eine erste und eine zweite Phase des Parcours. Wer in der ersten Phase null Fehler hat, reitet weiter in die zweite Phase. Für Reiter, die in der ersten Phase Fehlerpunkte bekommen, ist die Prüfung vorbei, sie brechen nach der ersten Phase ab. Auch hiervon gibt es verschieden Arten, es ist beispielsweise möglich, dass die Zeit nach der ersten Phase weiter läuft oder dass die Zeit in der zweiten Phase neu beginnt. Am häufigsten ist jedoch die erste Form.

 

Stilprüfung

Die Stilprüfungen sind für mich dieses Jahr sehr wichtig. Wie oben geschrieben führt ein Weg, die R-Lizenz zu kriegen, über Stilprüfungen. Bei Stilprüfungen wird der Reiter von zwei Richtern bewertet, wobei der erste Richter die Note für Führung und Einwirkung gibt, der zweite Richter die Note für den Sitz und beide zusammen eine Note für den Gesamteindruck. Die Stilprüfung gewinnt, wer die höchste Punktzahl (maximal 100) erreicht. Fehlerpunkte werden werden der Note abgezogen und die Zeit entscheidet, wenn zwei Konkurrente die gleiche Punktzahl haben. Für jede Klassierung bekommt man von den Richtern eine Unterschrift und insgesamt braucht man acht davon, um die R-Lizenz zu erhalten. Stilprüfungen reitet man also nur, wenn man die Lizenz will, später nicht mehr. Trotzdem habe ich sie einfach auch mal zu den ‚häufigsten Prüfungsarten gezählt‘, da sie für mich eine zentrale Rolle in dieser Saison spielen.

 

Bezeichnung der Höhe/Stufe

Auch die Bezeichnungen sind in der Schweiz anders als in Deutschland. Während man in Deutschland mit Buchstaben und Sternen bezeichnet, wie schwer und hoch die Prüfung ist, funktioniert das in der Schweiz mit einer Abkürzung und einer Zahl.

Die drei wichtigsten Abkürzungen:

B  = Brevet

R = R-Lizenz

N = N-Lizenz

 

Dieser Buchstaben sagt also aus, wer berechtigt ist, in der Prüfung zu starten. Es können auch mehrere Abkürzungen vorkommen, B/R und R/N beispielsweise.

 

Auf den Buchstaben folgt eine Zahl. Die Zahlen gehen von 65-155 und bezeichnen die Höhe der Sprünge. Höhere Hindernisse gibt es im Parcours nicht.

 

Beispiele:

B/R105 = Reiter mit Brevet oder R-Lizenz sind startberechtigt, die Höhe ist 105cm

R/N 130 = Reiter mit R-Lizenz oder N-Lizenz sind startberechtigt, die Höhe ist 130cm

 

Sonstiges

Meistens werden zwei Prüfungen hintereinander ausgeschrieben, die man beide reiten muss. Zum Beispiel R110/115 oder R130/135. Man kann seine Prüfungen also häufig nicht frei über den Tag verteilen, sondern reitet nacheinander zwei Prüfungen.

Das Nenngeld muss man bei der Anmeldung bezahlen. Man bekommt es nicht zurück, wenn man eine Prüfung nicht reitet.

Für jede Platzierung gibt es Gewinnpunkte. Der erste Rang erhält am meisten Punkte, der letzte Platzierte am wenigsten. Je höher die Prüfung, desto mehr Gewinnpunkte gibt es. Beide, der Reiter und das Pferd, erhalten diese Gewinnpunkte. Für Pferde gibt es eine Beschränkung in Prüfungen, so darf ein Pferd mit 5000 Gewinnpunkten beispielsweise nicht mehr in  Prüfungen unter 125cm starten.

Es gibt die Möglichkeit, horse-concours (hc) zu reiten. So kann man auch in Prüfungen starten, für die das Pferd zu viele Gewinnpunkte hat. Allerdings ist es so nicht möglich, platziert zu werden.

9 thoughts on “Turniersystem Schweiz (Springreiten)

  1. Hallo Ihr Pferde-Freunde…. Es hat Spass gemacht die Berichte zu lesen, bin nur per Zufall dazugestossen, denn ich wollte googlen, was R/N 100 R/N 105 bedeutet. Bin ein Neuling im Pferdesport – doch trotz meiner 75 Jahre – bin ich Fan dieser Sportart geworden, früher war es Judo (2.Dan). Doch ob ich das Brevet je schaffen werde….?? ..ich glaube eher nein….
    Werde von Zeit zu Zeit wieder ‚hereinschauen’…alles Gute

  2. Hi! Wow das bringt mich echt weiter, danke, dass du das so gut zusammengefasst hast!
    Wie sieht das System für Dressur aus? Grüsse!

  3. Toller Artikel! Ich habe vor zwei Wochen das Brevet absolviert und verstehe nun endlich welche Prüfungen ich starten darf.:)

    1. Herzliche Gratulation zum bestandenen Brevet! Es freut mich, dass mein Artikel dir helfen konnte. 🙂

  4. danke für den super bericht. ich bin neu in der springszene u wusste gar nicht recht was ich mit nur dem Brevet reiten darf!

    jetzt ist mir alles klar! danke vielmals!!

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