Systematischer Aufbau einer Trainingsstunde (ZKV Theorie)

Systematischer Aufbau einer Trainingsstunde (ZKV Theorie)

Gerade wenn man sein Pferd ohne Trainer reitet und mit ihm arbeiten will, kann es vorkommen, dass man ohne Plan und Struktur ins Training startet. Um aber die Gesundheit des Pferdes nicht zu gefährden und Lern- und Traininserfolge zu gewährleisten, ist ein strukturierter Aufbau wichtig.

Unabhängig davon, was das Ziel der Trainingsstunde ist, gilt dieser Aufbau:

1. die Aufwärm- und Lösungsphase

2. die Arbeitsphase

3. die Erholungsphase

 

Die Aufwärm- und Lösungsphase

Fester Bestandteil dieser Phase ist das Schrittreiten zu Beginn. Das Aufwärmen im Schritt ist sehr wichtig, damit sich die Gelenkflüssigkeit gleichmässig verteilet und die nötige Gleit- und Schmierfähigkeit bekommt. Ebenfalls aufgewärmt wird die Muskulatur. Ein zu kurzes Aufwärmen kann der Gesundheit des Pferdes schaden, darum sollte man immer mindestens 10 Minuten im Schritt reiten.

Das Ziel der Lösungsphase ist die Losgelassenheit des Pferdes. Nur ein Pferd das innerlich und äusserlich entspannt ist, kann zu seiner vollen Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit kommen. Die lösende Arbeit dient aber nicht nur dem Pferd, sondern auch der Lockerung des Reiters.

 

Beispiele für lösende Übungen im Schritt:

– fleissiger Handwechsel

– Schenkelweichen

– Durchparieren zum Halten und wieder anreiten

– Schulterherein

– über einzelne Stangen laufen

Mit Stangen und unterschiedlichen Übungen kann man auch Schrittreiten spannend und abwechslungsreich gestalten. Nach der Schrittarbeit folgt die Trabarbeit im Leichttrab und später die Galopparbeit.

 

Beispiele für lösende Übungen im Trab und Galopp:

– grosse Volten reiten

– grosse Schlangenlinien reiten

– fleissiger Handwechsel

– locker vorwärts reiten und Takt suchen

– Übergänge reiten (Schritt-Trab, später auch Galopp)

– Tritte verlängern und verkürzen

Zwischen den Übungen sollte man immer wieder mal die Zügel aus der Hand kauen lassen, damit das Pferd vorwärts-abwärts dehnen kann und um die Losgelassenheit zu überprüfen. Nach der Lösungsphase sollte das Pferd nicht ermüdet sein. Durch eine richtig gestaltete Lösungsphase werden nervöse Pferde ruhiger und Pferde mit weniger Gehfreude fleissiger.

 

Die Arbeitsphase

In der Arbeitsphase wird an Ausbildungszielen gearbeitet. Bei jungen Pferden wird die Arbeitsphase sehr kurz sein. Wichtig ist es, dem Pferd auch in der Arbeitsphase immer wieder kurze Entspannungspausen zu geben und es ausgiebig zu loben.

Diese Vorgehensweise sollte man immer beachten:

– vom Leichten zum Schweren

– vom Bekannten zum Unbekannten

– vom Einfachen zum Komplexen

– von langsameren, ruhigeren zu fleissigeren Bewegungsabläufen

 

Beispiele für die Arbeitsphase:

– Wiederholen von bekannten Übungen und Lektionen

– Ausführung der Übungen verbessern

– Hilfengebung verfeinern

– Vorbereitung/Hinführung zu neuen Übungen

 

Die Erholungsphase

Das Ende jeder Trainingsstunde ist eine aktive Erholungs- und Entspannungsphase. Diese sollte man nach einer letzten, gelungenen Übung einleiten, damit Pferd und Reiter das Training mit einem guten Gefühl beenden können.

In der Erholungsphase sollte das Pferd erst am Ende im Schritt geritten werden. Vorher reitet man im Galopp und im Trab, wobei Leichttraben und galoppieren im leichten Sitz empfohlen wird. In beiden Gangarten wird durch Zügel aus der Hand kauen lassen überprüft, ob das Pferd losgelassen ist und sich in der Arbeitsphase nicht verspannt hat. Zum Abschluss der Erholungsphase wird das Pferd in einem fliessenden Übergang in einen raumgreifenden Mittelschritt geritten, bei dem Zufriedenheit und Gelassenheit zu erkennen sein sollten. Man sollte wie schon zu Beginn auch am Ende mindestens 10 Minuten Schrittreiten.

Das Pferd sollte sich nach der Erholungsphase körperlich und mental vollkommen beruhigt haben, bevor es in den Stall zurückgebracht wird. So wirkt man dem Nachschwitzen des Pferdes entgegen.

Für eine richtige Vorbereitung auf die nächste Trainingsstunde macht es Sinn, wenn sich der Reiter wichtige Erkenntnisse und Verbesserungsansätze merkt oder aufschreibt.

 

 

Quelle: Dossier aus ZKV Future Theorie (Informationen aus „Grundausbildung für Reiter und Pferd“

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