Spätentwickler

Spätentwickler

Wie bei uns Menschen gibt es auch unter den Pferden Spätentwickler. Es sind Pferde, die man mit vier Jahren besser noch auf der Wiese lassen würde, die einfach noch nicht bereit sind für den Sport. Ich wage zu behaupten, dass ich mit Chupa genau so ein Modell erwischt habe.

 

Chupa war früher nervös, sie konnte nie Stillstehen, sich konnte sich nicht lange konzentrieren, sie hatte null Vertrauen in sich selbst und wurde schnell unsicher. Wir haben immer wieder Fortschritte gemacht, aber aus dem Nichts kam dann wieder etwas, das sie so verunsichert hat, dass wir jedes Mal wieder am Anfang standen. Es gab nie einen bestimmten Moment, in dem etwas passierte. Von heute auf morgen hat sie wieder all ihren Mut verloren und hat sich teilweise über keine 60 Zentimeter mehr getraut, während sie zwei Wochen zuvor noch locker 90cm sprang. Es war zum Verzweifeln und hat mich unendlich Nerven gekostet, aber wenn ich sehe, wie toll sie sich seit diesem Winter entwickelt hat, war es jede Träne wert.

 

Ich kann nicht sagen, woran es liegt. Irgendein Schalter hat sich bei ihr umgelegt, sie ist seit diesem Jahr wie ausgewechselt. Mit jedem Training wird sie besser und zwar in beiden Sparten, beim Springen wie in der täglichen Dressurarbeit. Sie entwickelt immer mehr Ruhe, sie wirkt viel ausgeglichener und zufrieden. Die Unruhe von früher kommt nur noch selten durch. Seit Wochen läuft sie immer besser am Zügel und ich habe kaum etwas in der Hand, kein Vergleich zu früher, wo ich sie für keine Hallenlänge rund gekriegt habe. Auch im Galopp bleibt ihr Kopf immer öfter ruhig unten, es ist wirklich verblüffend. Beim Springen ist sie immer mutiger, beim letzten Springtraining (5.3) war sie einfach unglaublich. Ich denke seit Wochen nicht mehr an Verweigerungen, weil ich mich auf sie immer mehr verlassen kann. Alle unsere grossen Probleme verschwinden immer mehr und ich bin sicher, dass es nicht an mir liegt. Bestimmt habe auch ich Fortschritte gemacht, aber allein daran liegt es nicht. Es kommt auch von ihr aus, sie will jetzt arbeiten, sie will ihrem Reiter gefallen und benimmt sich langsam so, wie man es von einem siebenjährigen Pferd erwartet. Deshalb kann ich jedem, der mit seinem Jüngling ähnliche Probleme hat und dem Verzweifeln nahe ist nur raten, durchzubeissen. Nicht aufgeben, weitermachen, es lohnt sich und es gibt kein besseres Gefühl, als wenn man alte Probleme hinter sich lassen kann. Endlich haben wir es geschafft. Bisher nur im Training, aber auch auf Turnier wird es im Vergleich zu letztem Jahr ganz anders werden, dafür würde ich meine Hand ins Feuer legen.

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