Probereiten

Probereiten

Wenn man ein Pferd gefunden hat, das zu einem passen könnte, vereinbart man in den allermeisten Fällen einen Termin für einen Proberitt. (Wie man ein passendes Pferd findet, habe ich HIER beschrieben.) Aber wie läuft so ein Proberitt überhaupt ab, was muss ich beachten und wie finde ich eigentlich heraus, ob das Pferd denn nun wirklich zu mir passt?

Ich werde auf den Fall Springpferd eingehen, da ich bisher noch keine z.B. Dressurpferde ausprobiert habe. Ich denke aber, dass es da etwa ähnlich ablaufen wird, anstatt das man springt, reitet man eben Lektionen.

 

Ablauf

Bei mir war der Ablauf bisher unterschiedlich. Chupa Chup zum Beispiel habe ich nicht selber fertiggemacht (putzen, satteln, trensen) und sie wurde mir auch nicht zuerst vorgeritten. Ich bin selber ‚einfach losgeritten‘. Hier beschreibe ich euch aber mal den ausführlichen, wohl „besten“ Weg, wenn es den überhaupt gibt. Auf jeden Fall lernt ihr das Pferd so am besten und in verschiedenen Situationen kennen.

 

Erste Schritte

Zuerst holt man das Pferd aus der Box, von der Weide oder aus dem Transporter. Dabei lässt sich einiges feststellen. Lässt sich das Pferd willig halftern? Wie reagiert es beim Betreten der Box? Ist es neugierig, freundlich, frech, nervös, müde, gelangweilt, träge? Läuft es freiwillig neben einem her? Wenn es von einer Gruppe getrennt wird, bleibt es gelassen?

 

Fertigmachen

Man sollte darauf bestehen, das Pferd selber zu putzen. Wichtig ist, dabei auch die Hufe auszukratzen und genauer anzusehen. Sind alle Hufe gleich lang, hat das Pferd vielleicht Bockhufe oder sonstige Fehlstellungen? Gibt es die Hufe freiwillig?

Besonders an empfindlicheren Stellen wie dem Kopf, dem Bauch und den Hinterbeinen sollten man beobachten wie das Pferd beim Putzen reagiert. Nach dem Putzen darf man ruhig auch den Rücken abtasten und die Beine auf ungewöhnliche Veränderungen abtasten.

Wenn das Pferd vom Verkäufer bereits fertiggemacht wurde, ist das nett aber leider nicht besonders hilfreich. Man sollte dann wenigstens nach dem Reiten boxenfertig machen und es selbst in die Box bringen.

Als Beispiel aus der Praxis: Beim letzten Pferd das ich zur Probe geritten bin, wurde ich schon beim Satteln misstrauisch, weil es beim Anziehen des Sattelgurtes deutlich aggressiv reagiert hat und sogar nach mir schlagen wollte.

 

Freilaufen, Longieren

Besonders bei jungen Pferden oder Sportpferden, bei denen die Gangarten eine wichtige Rolle spielen, kann Freilaufen empfehlenswert sein: Dabei kann man die natürlichen Gangarten des Pferdes betrachten und Lahmheiten erkennen. Der Platz sollte natürlich gut eingezäunt und nicht zu klein sein.
Wenn Freilaufen nicht möglich ist, kann man das Pferd auch longieren. Dabei kann man direkt testen, wie gut das Pferd gehorcht. Reagiert es auf Stimmhilfen? Fürchtet es sich vor der Longierpeitsche? Läuft es ruhig oder nervös?

 

Vorreiten

Danach sollte das Pferd vom Besitzer vorgeritten werden. Dabei darf man es ruhig sagen, wenn man bestimmte Lektionen sehen möchte. (Natürlich muss man dabei immer auf den Ausbildungsstand des Pferdes eingehen!)

Beim Vorreiten sollte man nicht nur auf das Pferd sondern auch auf den Reiter achten. Wie reitet er das Pferd, kann er die Hilfen sanft geben oder muss er deutlicher werden?

 

Selber reiten!

Danach kann man sich selber auf das Pferd setzen. Lasst euch nicht unter Druck setzen, auch wenn das Pferd schon warmgeritten ist darf man noch eine Weile Schritt reiten um sich an das Pferd zu gewöhnen. Wie ist der erste Eindruck, fühlt es sich angenehm an? Reagiert das Pferd auf die Beinhilfen? Zappelt es beim Anhalten rum? Wie lässt es sich biegen? Beim Traben und Galoppieren verhält es sich nicht anders, man darf sich ruhig Zeit nehmen und sich in das Pferd hineinfühlen. Es ist auch möglich, dass man bereits bei den Grundgangarten merkt, dass das Pferd nicht zu einem passt! Allerdings sollte man nicht zu früh abbrechen – man muss sich an jedes Pferd erst gewöhnen.

Handelt es sich um ein Springpferd fängt man dann mit Cavaletti an. Zieht das Pferd schon auf das Cavaletti? Ist es guckig oder bleibt es gelassen? Findet man den Absprungpunkt? Weiter geht es mit Kreuzen und dann einzelnen Sprüngen bis hin zu einem Parcours. Fühlt man sich unsicher darf man das ruhig anmerken, aber es ist normal, dass der Absprungpunkt nicht immer passt und man sich manchmal falsch versteht. Kleinere Unstimmigkeiten wird man im Training klären können, aber grundsätzlich sollte man ein gutes Gefühl haben und sich wohl fühlen.

Wenn das Pferd auf dem Platz passt, kann es hilfreich sein eine kleinere oder grössere Runde im Gelände zu drehen. Wie reagiert das Pferd auf Verkehr, Kühe, Hunde etc? Wird es im Galopp hitzig? Der Besitzer sollte dabei mit einem Zweitpferd mitreiten.

 

Ist es das richtige Pferd?

Ich meine behaupten zu können, dass man das nach dem Reiten immer genau weiss. Schon nach wenigen Minuten reiten spürt man, ob das Pferd passt. Auch wenn es vielleicht doch jünger oder älter ist als man wollte, 10 Zentimeter grösser oder überhaupt nicht die gewünschte Rasse: Wenn man das richtige Pferd gefunden hat, sind das nur Nebensachen. Hört einfach auf euer Herz, ihr werdet schon fühlen ob ihr auf dem richtigen Pferd sitzt. Ist man noch unsicher kann ein zweites Probereiten natürlich hilfreich sein.

 

Sonstige Tipps

Lasst euch von angeblichen anderen Interessenten nicht einschüchtern. Meistens wollen die Verkäufer damit nur zu einem schnellen Kauf drängen und es ist gar nichts dahinter. Nehmt euch einige Tage Bedenkzeit wenn ihr sie braucht!

 

Fragt nach der Vergangenheit des Pferdes, ob es Krankheiten oder Verletzungen hatte, welche Eigenheiten es hat und eventuell nach dem Verkaufsgrund, wenn es nicht von einem Händler kommt. Seht euch ausserdem die Papiere an.

 

Viel Glück beim Pferdekauf!

 

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