Menschen auf dem Abreiteplatz

Menschen auf dem Abreiteplatz

Die Turniersaison 2015 rückt immer näher. Mit der tollen Turnieratmosphäre, neuen Herausforderungen und bestenfalls zahlreichen Erfolgen kommen aber auch einige Dinge zurück, die man in der Winterpause so gar nicht vermisst hat. Dazu zählt unter anderem der Abreiteplatz, um den es in diesem Blogpost geht. Genauer gesagt um die Menschen, die man dort so antrifft.

 

1. Die, die zum Trainieren gekommen sind

Weder Reiter noch Pferd haben seit letztem Turnier Sprünge gesehen, geschweige denn überwunden. Zum Trainieren hat man doch auf dem Abreiteplatz noch genug Zeit! Der Trainer nimmt also erstmal fröhlich den Oxer auseinander. „Darf ich nochmal Oxer, ich muss gleich rein!“ – „Jaja, wir machen doch nur ein paar Schritt-, Trab- und Galoppstangen, einige Kreuze, eine Gymnastiklinie und reiten zwischendurch ordentlich Schritt, weil das Pferd eine Pause braucht.“ Diese Menschen bemerken oft gar nicht, dass sie mit ihren Übungen den ganzen Abreiteplatz lahmlegen. Sie sind einfach glücklich, wieder auf Turnier zu sein und sehen die Sache nicht so eng.

 

2. Der Mistjäger

Er ist entweder ein Angestellter oder ein Turnierbesucher, der es nur gut meint. Während alle kreuz und quer reiten, einspringen und die Trainer ihren Schützlingen Anweisungen zurufen, huscht er zwischen den fliegenden Pferdebeinen umher und sammelt die Hinterlassenschaften der Vierbeiner ein. Mehr oder minder geschickt und sich oftmals nicht bewusst, dass es sonst schon ziemlich eng auf dem Platz ist und er sich sozusagen in der Höhle des Löwen befindet.  Aber hey, auf einen Mistjäger kann man schon Rücksicht nehmen, man ist ja froh, wenn jemand die Drecksarbeit erledigt.

 

3. Der Gelassene

Dieser Reiter ist die Ruhe selbst. Turnierstress ist für ihn ein Fremdwort, die Startzeit auch. Fünf Minuten vor der Prüfung dreht er noch am langen Zügel seine Runden, hält ein Schwätzchen mit seinen Kollegen und denkt noch gar nicht ans Einspringen. Das Pferd döst währenddessen unter dem Sattel weg und wacht erst wieder auf, wenn die Startglocke läutet.

 

4. Die, die völlig überfordert ist

Diese Reiterin kommt mit der ganzen Situation überhaupt nicht klar. Ihr Pferd weiss schon gar nicht mehr, wo oben und unten ist, denn die Hilfen kommen von allen Seiten, nur leider undeutlich und alle gleichzeitig. Die überforderte Reiterin entschuldigt sich derweil hysterisch bei allen, denen sie vor die Nase reitet. Alle fragen sich, wieso sie überhaupt auf Turnier fährt, wenn sie den Stress nicht aushält. Niemand weiss es, auch sie selbst nicht so genau.

 

5. Die Perfekte 

Sie ist von oben bis unten perfekt ausgestattet, alles ist farblich abgestimmt und auf Hochglanz poliert. Mit einem Sitz, wie man ihn nur selten sieht, einem Pferd, das auch drei Klassen höher starten könnte und einem professionellen Turnierteam fegt sie alle vom Platz. Neben ihr kommt man sich vor wie ein graues Entlein, das rückwärts auf dem Pferd sitzt und gekleidet ist wie der letzte Honk.

 

6. Der mit den Adleraugen

Irgendwo am Rande des Platzes steht er, der Richter. Vor ihm ist niemand sicher, denn seine Augen sind überall und er kennt die Regeln wie seine Westentasche. Offene Knöpfe an Turnierblusen, minimal schräge Sprünge, er sieht jeden Fehler und jeden Verstoss. Der ‚völlig Überforderten‘ würde er am liebsten den Kopf abreissen und der Mistjäger soll ruhig im Stechtrab über den Platz flitzen, die Pferdehaufen zerstören sonst die ganze Atmosphäre!

 

7. Die Rücksi-„WEG DA, OXER!“

Diese Reiterin ist auf dem ganzen Abreiteplatz verhasst. Und zu hören. Sie nimmt keine Rücksicht, auf niemanden. Du wolltest eben den Sprung da anreiten? Pech, mit lautstarkem Kreischen und in vollem Galopp schneidet sie dir den Weg ab. Danach geht es frisch auf der Aussenbahn weiter, wer in die ihr entgegengesetzte Richtung reitet, flüchtet am besten über die Bande, denn die Bremse zieht sie höchstens um jemanden anzufahren, der ihr den Weg nicht schnell genug frei gemacht hat. Die Rücksichtslose lebt ganz nach dem Motto „Der Schnellere ist der Geschwindere“ und scheut nichts und niemanden.

 

8. Die Discokugel

Pailetten, Nieten und Glitzer sind auf dem Abreiteplatz mittlerweile Standart, aber diese Reiterin treibt es definitiv zu weit. Wenn die Sonne scheint, blendet sie alle rundherum, denn bei ihr funkelt alles. Und damit meine ich wirklich alles. Die Stiefel glitzern, die Schabracke glitzert, das Gürtel glitzert, die Fliegenohren glitzern. Nein, das Vorderzeug, die Gerte und die Sporen braucht man eigentlich gar nicht, aber hey, mehr Ausrüstung = mehr Fläche = mehr Glitzer!

 

Bitte nehmt diesen Post nicht zu ernst, er soll euch nur zum Schmunzeln bringen und niemanden angreifen.

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