Geduld bringt Rosen

Geduld bringt Rosen

Etwas, was mir Pferde dieses Jahr beigebracht haben ist, dass Geduld sich auszahlt. Man kann Pferde zwingen etwas zu tun. Man kann, der Mensch hat genügend Hilfsmittel und kann ein Pferd in den meisten Fällen zu etwas bringen, was sie nicht wollen. Mit „Zwingen“  ist aber in den meisten Fällen Gewalt und Hektik verbunden. Es muss alles möglichst schnell geschehen, am liebsten soll es von heute auf morgen klappen. Oft ist es egal, wie. Und genau da liegt meiner Meinung nach der Fehler  – man kann ein Pferd zwingen oder aber man kann es überzeugen, es aus freien Stücken zu tun.

 

Ein sehr gutes Beispiel dafür ist Chupa in Verbindung mit dem Hänger. Als wir Chupa gekauft haben, wollte sie nicht einsteigen. Da kam die Frage auf, wie man sie denn da jetzt reinbringen soll. Wir sind damals noch nie vor diesem Problem gestanden und nahmen die Hilfe von erfahrenen Reitern gerne an. Ihre Methoden entsprachen aber nicht meiner Vorstellung von Verladetraining. Die Augen verbinden, Longen, mehrere Besen – Druck von allen Seiten für das Pferd. Deshalb beschlossen wir, es alleine zu versuchen. Sobald der Druck weg war, hat Chupa aufgehört zu bocken, aber sie wollte nach wie vor nicht einsteigen. Sie hat mehrere Schritte vor dem Hänger Halt gemacht und wollte partout nicht näher heran. Aber wir haben einfach geübt, geübt, geübt. Täglich. Stundenlang. Aber nicht mit Gewalt und Hektik. Mein Vater hat sie geführt, ich habe mich neben sie gestellt und wir haben so viele Anläufe genommen, bis sie irgendwann eingestiegen ist. Es war ein SEHR langwieriger Prozess. Später klappte es zuhause, aber wenn wir vom Training oder von einem Turnier nach hause fahre wollten nicht. Ich erinnere mich daran, wie wir einmal auf Turnier zwei volle Stunden brauchten, bis sie endlich eingestiegen ist. Es wurde immer besser, aus 80 Anläufen wurden 50, 40, 30, 20 …. Die Mühe hat sich ausgezahlt. Es gab Tage wo sie nach dem dritten Versuch eingestiegen ist und Tage wo sie meinte, einfach nicht hinein zu wollen. Sie hatte ihre Angst definitiv verloren und es war mehr ein „Wer-hält-länger-durch“ Spielchen als etwas anderes. Wichtig bei diesen Spielchen ist, dass man sie gewinnt, und das haben wir jedes einzelne Mal getan. Wir haben nie aufgehört bevor sie im Hänger stand, kein einziges Mal. Es gab dann eine Phase wo sie super einstieg, und eine wo sie das Gefühl hatte, es wieder nicht tun zu müssen. Wir haben dann eine Verladehilfe benutzt, die in den meisten Fällen geholfen hat, sie schneller in den Hänger zu bekommen.

 

Heute steigt Chupa bei jeder Person am lockeren Seil ein, egal ob schon ein Pferd im Hänger steht oder nicht, egal ob zuhause, im Training oder auf Turnier. Es ist für sie selbstverständlich, sie weiss, dass sie sich nicht fürchten muss, sie weiss aber auch dass sie mit stur und frech sein nicht ums Einsteigen herumkommt. Übrigens ist sie gleichzeitig auch im Hänger immer ruhiger und gelassener geworden, sie fühlt sich wohl darin. Früher konnte man sie keine Sekunde alleine stehen lassen, heute kann man sie mit gutem Gewissen eine Weile alleine lassen.

 

Es hat ein ganzes Jahr gedauert, bis wir sie endlich freiwillig eingestiegen ist. Wahrscheinlich hätte man das auch in zwei, drei Verladetrainings mit Longe, Peitsche, Druck und Gewalt hinbekommen, aber ich kann unterschreiben, dass das nicht der richtige Weg gewesen wäre und wir heute kein so gelassenes Pferd hätten. Und ich hoffe, dass auch meine Leser das so sehen.

 

Einige Tipps zum Verladetraining:

  • Das Kommando sollte eine ruhige, geduldige Person übernehmen.
  • Nehmt euch unbedingt genug Zeit. Damit meine ich Stunden. Übt nie unter Zeitdruck.
  • Übt am Anfang immer am gleichen, ruhigen Ort.
  • Sobald das Pferd dort einsteigt, den Ort wechseln. Am Anfang reicht es schon, wenn der Hänger in die andere Richtung steht.
  • Sobald das Pferd drinnen ist, lobt es ausgiebig.
  • Es hat sich bewährt, gleich mehrere Male ein- und auszuladen.
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