Ausreiten

Ausreiten

Ausreiten ist für mich selbstverständlich. Es gehört zum Trainingsplan, mit seinem Pferd ausreiten zu gehen, ganz egal ob es sich um ein Spring- oder Dressurpferd handelt! Als ich reiten gelernt habe, ging ich immer ins Gelände, daher kommt diese Selbstverständlichkeit wahrscheinlich. Auf dem Reitplatz oder in einer Halle zu reiten war damals etwas besonderes.

Ausreiten bedeutet Freiheit, keine vorgeschriebenen Linien reiten und einfach mal den Kopf frei bekommen von Bahnfiguren und Sprüngen – für den Reiter UND für das Pferd. Meine beiden Pferde geniessen Ausritte immer wieder aufs Neue. Die Abwechslung tut ihnen richtig gut, wenn wir nach Hause kommen sind sie immer locker und zufrieden. Ronja ist im Gelände ganz in ihrem Element, sie würde am liebsten jeden Tag ins Gelände gehen. Auch Chupa kommt gerne weg vom Hof und liebt es, sich auf langen Galoppstrecken mal wieder strecken zu können. Ausserdem finde ich es immer wieder schön, die Wildtiere aus der Nähe beobachten zu können. Sie nehmen nämlich das Pferd nicht als Gefahr wahr und besonders Rehe flüchten meistens gar nicht. Ich sehe durchschnittlich bei jedem Ausritt mindestens ein Reh, meistens mehrere! Auch Füchse, Hasen und Eichhörnchen begegnen uns immer wieder.

 

Ausreiten macht aber nicht nur Spass, es stellt auch immer wieder das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter auf die Probe und fördert dieses. Man begegnet immer wieder nicht alltäglichen Dingen wie Kinderwagen, Traktoren und anderen Landmaschinen, Schafen, Menschen mit Hunden, gefährlichen Holzstapeln mit Abdeckungen … Es gibt hunderte Sachen, vor denen sich die Pferde im Gelände fürchten können, aber wenn das Vertrauen da ist, kann man mit jedem Pferd sicher an „Gefahren“ vorbeireiten. Ich persönlich bin immer stolz, wenn Chupa sich vor etwas fürchtet und dann aber auf mein Kommando hin einfach daran vorbeiläuft. Es ist übrigens auch für Turnierreiter praktisch, wenn das Pferd sich in ungewohnten Situationen schnell wieder beruhigen lässt, denn auch auf Turnierplätzen gibt es immer wieder gefährliche Dinge.

 

Natürlich ist die Unfallgefahr im Gelände höher als auf dem Reitplatz und in der Halle. Es kann immer vorkommen, dass sich das Pferd erschreckt und durchgeht, dass es mal bockt oder partout nicht an etwas Ungewohntem vorbeilaufen will. Dessen sollte man sich bewusst sein. Wenn man ins Gelände geht sollte man deshalb einige Dinge beachten, um möglichst sicher unterwegs zu sein.

 

1. Man sollte IMMER einen Reithelm tragen. Eine Schutzweste oder ein Rückenprotektor sowie Reithandschuhe sind zudem empfehlenswert!

2. Das Material muss sich in einem guten Zustand befinden, das Leder darf weder brüchig noch rissig sein. Die Sturzfeder muss sich leicht öffnen lassen, ansonsten macht man sie am besten auf, damit der Steigbügelriemen durchrutschen kann.

3. Anfänger und Gelände-Unerfahrene sollten ein möglichst erfahrenes Ausreitpferd reiten.

4. Es sollte am Anfang immer eine erfahrene Person dabei sein, vorzugsweise ein Reitlehrer. Viele Reitställe bieten geführte Ausritte an, fragt einfach mal nach. Dadurch lernt man auch gleich das Gelände und die besten Reitwege kennen.

5. Wenn man alleine ausreiten geht, sollte man immer eine Nachricht im Stall hinterlassen oder einer Person beischeid sagen, wie lange ihr etwa unterwegs seid und wo ihr ungefähr durchreitet.

6. Man sollte immer ein Handy mit genügend Akku mitnehmen. Falls es im Sommer in der Reithose keinen Platz findet, nimmt man am besten eine Bauchtasche mit, die stört einen beim Reiten nicht.

7. Personen begegnet man immer im Schritt und man grüsst freundlich.

8. Reitverbote sind ernst zu nehmen, es gibt immer genügend andere Wege, wo man durchreiten kann.

9. Quer durch den Wald reiten sollte man nicht, um das Wild nicht zu beunruhigen. Es gibt genug schöne Wege.

10. Man darf nicht einfach über Felder reiten. Wir wären auch nicht begeistert, wenn jeder mit seinem Hund einfach durch unseren Garten und quer über das Blumenbeet laufen würde!

11. Wenn ein Pferd einmal durchgeht und ein Feld beschädigt, sollte man den Bauern aufsuchen und bescheid sagen. Gegebenenfalls bringt man etwas als Entschuldigung mit.

12. Junge Pferde oder solche, die noch unerfahren sind gehen anfangs am besten zusammen mit einem ruhigen Pferd ins Gelände.

13. Wenn überhaupt nichts mehr geht, absteigen und das Pferd an der „gefährlichen“ Stelle durchführen. Man sollte auf keinen Fall umkehren, sonst werden die Pferde oft frech und gehen immer schlechter durch.

14. Wenn es nicht sein muss, sollte man keine stark befahrenen Strassen überqueren. Wenn das Pferd nämlich einmal alleine nach Hause rennt weil man heruntergefallen ist, muss es die Strasse überqueren, was sehr gefährlich werden kann.

15. Das Tempo sollte immer kontrollierbar sein, aber so genau wie auf dem Reitplatz muss man es nicht nehmen.

16. Etwa 2km vor dem Hof sollte man sein Pferd ausschritten lassen.

17. Wenn es viel geregnet hat, sollte man kleine Waldwege nicht benutzen, um den Boden zu schonen. Ausserdem ist die Verletzungsgefahr für das Pferd höher. Ronja hat sich schon einmal die Sehne verletzt, weil sie gerutscht ist!

18. Während dem Ausritt sollte man immer konzentriert sein und die Umgebung aufmerksam beobachten.

19. Während der Jagdsaison sollte man auffällige Kleidung oder am besten Leuchtwesten tragen.

20. Ein kleiner (nicht ganz ernstzunehmender) Tipp zum Schluss: Im Herbst müsst ihr ganz besonders aufmerksam sein, es treiben sich nämlich (zumindest bei uns) ziemlich viele Menschen im Wald umher um Pilze zu sammeln, die meistens dunkle Kleider tragen und schleichen, weil sie die Pilze  ja sonst erschrecken. Sobald ein Pferd kommt verschwinden sie immer ganz schnell hinter einen Baum oder bewegen sich genau dann, wenn man genau neben ihnen ist.  Vorsicht also! 😛

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